Senf

LaTeX

Latex ist wohl der Schrottplatz unter den ›Baumärkten‹. Es kann tatsächlich alles Erdenkliche, aber ich kenne kaum ein größeres Gekrampfe, als die Arbeit mit Latex (ich bin aber auch erst seit Kurzem dazu gezwungen, mit Linux zu arbeiten). Ich möchte dazu sagen, dass ich Word noch weniger mag, aber das rettet Latex nicht. ›Hier‹ hat sich schon mal jemand den Frust von der Seele geredet, das liest sich sehr befriedigend und ich habe nur wenig hinzuzufügen:
  • Kein Unicode, kein ttf (außer über XeLaTeX, was neue Schwierigkeiten mit sich bringt)
  • Von zwei- bis viermaligem Durchlaufen lassen, um sich seine inkrementellen Dokumentänderungen ansehen zu können, will ich garnicht erst sprechen. Aber warum dauert das Durchlaufen überhaupt so ewig? HTML wird on-the-fly dargestellt und ist oft viel komplizierter.
  • Mehrfache Zeilenumbrüche erzeugen einen „There is no line here to end!“-Fehler
  • ›/dddot sieht hässlich aus‹
  • Figures fließen sonstwohin. Auch das lässt sich natürlich über die entsprechenden Konfigurationen entsprechend konfigurieren, aber es könnte auch einfach mal default so sein wie man das will :-)
  • Für eine ›Turing-mächtige‹ Sprache ist Latex mal verdammt hässlich, was Variablen, Bedingungen, Schleifen und Funktionen angeht. Jaja, ist natürlich nicht primär dafür gedacht.
Besonders gefallen mir ja auch Diskussionen mit Latex-Liebhabern, die nicht selten mit dem Totschlagargument „Das solltest du ja auch nicht wollen, lass LaTeX das so machen.“ enden.

Aber ich will ja nicht nur jammern und mich beschweren. Wenn Textsatz eben einfach von Natur aus ein Krampf wäre, müsste man sich nunmal damit abfinden, dass das wohl nicht besser gänge. Ahaber:

In hartem Kontrast zu Latex und dem ganzen Tool- und Paketbaum, der daran hängt, stehen für mich HTML und SVG. Diese beiden Standards und die damit verbundenen Werkzeuge zeigen, wie sich solche Arbeit auch anfühlen kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich HTML in einem Lebensstadium kennengelernt habe, indem ich noch kein verbitterter und konservativer User war, der alles Neue ablehnt, aber die Arbeit damit geht mir doch deutlich einfacher von der Hand. Ich muss jedenfalls nicht jedes Mal googlen, wie man eine Tabelle baut. Nicht mal, wenn ich Zeilen oder Spalten verschmelzen lassen will. Hier noch weitere Vorteile, die mir so einfallen:
  • Nicht von Tausenden von Frickelheinis gebaut, die alle ihren lustigen Humor und Stil einfließen lassen mussten, sondern zentral standardisiert und gepflegt und das spürt man einfach an jeder Ecke
  • XML sieht strukturiert und einheitlich aus.
  • Man benötigt zur Dokumenterstellung einen Texteditor und einen Browser.
  • Problemlose Unicode-Unterstützung
  • Interpretieren und Darstellen von HTML-Dateien dauert gefühlt eine halbe Zeptosekunde.
  • JavaScript ist zwar nochmal ein Extradinge mit eigener Syntax, ist aber auch gleichzeitig usable und mächtig.
  • Seit HTML5 können Vektorgrafiken und Formeln über SVG und MathML eingebunden werden. Das ist zwar kein Vorteil gegenüber Latex, aber es ist kein Nachteil mehr, dass es das nicht gibt. Wobei ich gestehen muss, dass MathML gegenüber Latex echt abstinkt.
So nu. Warum nehme ich dann kein HTML um Textdokumente zu erstellen? Weil in HTML leider fast keine Druckformatierung möglich ist. Es ist für unendlich hohe, virtuelle Leinwände gedacht und nicht für Papierseiten. Viele Dinge müssten in JavaScript erfrickelt werden: Seitenzahlen, automatisches Inhaltsverzeichnis, automatisches Quellenverzeichnis, Kopfzeile, Fußzeile, ...

Den Weg zu dieser Erkenntnis kann man übrigens ›hier‹ nachvollziehen.

Ich hoffe, dass das W3C diesen einen Schritt irgendwann noch geht und ich Latex endlich in die Tonne treten kann. Die aus meiner Sicht größte Hürde wird bereits angegangen: der Textfluss. Das bedeutet, dass Elemente mit Inhalt gefüllt werden, bis sie voll sind, dann wird ein nächstes Element mit dem weiteren Inhalt befüllt. Sowas ist auf Internetseiten nicht nötig, für platzbegrenzte Papierseiten ist es essenziell. Ich habe das neue Feature bereits in Google Canary ausprobiert und es fetzt: ›CSS3 regions‹.